Die Kunst des Schenkens
Die Kunst des Schenkens
Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Und natürlich freue ich mich jetzt schon auf die Präsente, die mich (hoffentlich) bald erreichen. Eigentlich erfahre ich mit jedem Jahr intensiver, dass das Beschenktwerden gar nicht mehr so sehr im Fokus steht wie das Beschenken anderer Menschen.
Ob Geschäftspartner, Freunde, Familie und Liebesgefährte - die Suche nach DEM ultimativen Geschenk artet fast schon in eine olympische Disziplin aus. Schließlich demonstriert man mit seinem wohl ausgesuchten Geschenk seine eigene Persönlichkeit, seinen Spürsinn, seinen sicheren Stil, seinen guten Geschmack. Angewandte (Hobby-) Psychologie? Naja, jedenfalls notiere ich mir im Laufe des Jahres hochkonzentriert im Geiste jeden noch so begeisterten Ausruf meiner lieben Mitmenschen auf Produkte, die z. B. in Magazinen zu sehen sind. Hilfreich ist es vor allem, wenn Zeitungs- oder Magazinschnipsel heraus gerissen werden oder eine Bemerkung fällt wie "ach, einen Cashmir-Pulli in dieser Farbe habe ich mir schon immer gewünscht"! Ich erinnere mich erst kürzlich gelesen zu haben, dass sich beim Schenken herausstellt, welchen Stellenwert der Beschenkte im Leben eines Menschen hat. Dabei müssen die Präsente gar nicht groß oder kostspielig sein, nein, es kommt auf das Mitdenken, auf die emotionale Intelligenz an. "Wie gut kenne ich Dich?" Oftmals sind es ernüchternde Situationen beim Auspacken, die unsicheren Momente der Geschenkübergabe, die uns zum Schwitzen oder gar enttäuschende Begleiterscheinungen mit sich bringen. Wir die Schenker, die Spürhunde der materialisierten Phantasie in Perfektion, glorifizieren das mit aller Sorgfalt ausgesuchte Präsent und interpretieren viel, viel mehr in dieses hinein als dass es der Gegenüber erfassen oder sogar in seiner (positiven) Reaktion zurück geben kann. Unsichere Fragen wie: "Gefällt es Dir nicht?" oder Anmerkungen wie "Du kannst es auch gern umtauschen..." verderben dann letztendlich den wundersamen Moment, auf den wir so lange hingearbeitet haben. Hier halte ich es persönlich so wie beim versalzenen Essen: am besten, man tut so, als wäre alles in Ordnung und lässt unnötige Entschuldigungssalben sein. Denn sobald man damit anfängt, fällt es erst recht auf und die Stimmung kippt.
Was ich dieses Jahr verschenken werde? Zeit und persönliche Worte, gebettet auf hübschem Papier mit einer großen Schleife herum.
Ein entspanntes Schenken und Beschenktwerden wünscht Tanja
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