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29.06.2011
18:30

Mein Leben als Dienstleister

Als ernst zu nehmender Dienstleister ist man ständig bestrebt, seinen Kunden und Partnern den bestmöglichen Service zu bieten. Rund um die Uhr ist man für ihn da, bereitet Unterlagen bis ins kleinste Detail durchdacht vor, stellt eigene Bedürfnisse meist in den Hintergrund und hat auch noch einen Riesenspaß dabei. So geht es mir jedenfalls und meine Dienstleistungsbereitschaft ist schon fest in Fleisch und Blut übergegangen. Fast schon peinlich, fragen mich Übernachtungsgäste kurz vor der Abreise, ob sie nun „auschecken“ dürfen. Und nach einem geselligen Abendessen verkneifen sie sich gerade so den Griff zum Portemonnaie,  das großzügige Trinkgeld schon fest im Auge. Nachdem die Gäste verabschiedet wurden, ernte ich meist einen angestrengten Blick von meinem Freund, muss er sich doch meinem „Dienstleister-Ehrgeiz“ auch im Privaten unterwerfen und vor allem unterstützen. Für mich bedeutet „Dienst leisten“ keine Anstrengung – nein, ich gebe mich meinen Aufgaben, und seien sie noch so klein, mit vollem und großem Engagement hin. Kein selbstverschuldeter Tadel ist erlaubt – die typische und, ja ich weiß es, absolut übertriebene Musterschüler-Manier. In letzter Zeit hatten wir das Glück (oder Pech???), selbst in die Rolle des „Auftraggebers“ zu schlüpfen und haben Arbeiten verschiedenster Art vergeben. Wenn es manchmal nicht so traurig wäre, könnte man wirklich darüber lachen, aber im Moment ist mir eher zum Verzweifeln zumute. Werde ich anfänglich von sympathischen Anbietern von Directmailing-Agenturen mit wirklich innovativen, kraftvollen Ideen in den Bann gezogen, entpuppt sich der zu Beginn dynamische Mail- und Telefonkontakt zu einer langweiligen, schlecht vorbereiteten Schlaftablette. Doch wunderbar, dass sich dieser während unseres 1stündigen Gespräches sichtlich (und ständig) darüber freut, einen kostenlosen Parkplatz in der Nähe unseres Showrooms gefunden zu haben. Wunderbar! Ich freue mich in den ersten Momenten mit ihm (gehört sich das nicht so?) und werde dann doch enttäuscht, dass ich weder seine konfuse Präsentation verstehe noch bemerke, dass sich das angepriesene Kommunikations-Tool bei uns schlecht realisieren lässt. Oder nehmen wir einen sogenannten Dienstleister, dem wir für einen gut bezahlten Job letzten Endes die in Auftrag gegebene Kreativarbeit gänzlich abgenommen haben. Ohne dabei zu erwähnen, dass wir mehr damit beschäftigt waren, den Auftrag zu beobachten, zu kontrollieren, zu verbessern und wir selbst Hand anlegen mussten, um ein mehr oder minder zufriedenes Ergebnis zu erhalten. Wir haben gelernt, dass Agenturen und andere Dienstleister mit wenig Einsatz und Empathie aber mit vielen Luftblasen ihre Fische fangen. Damit leben sie gut, der Kutter ist voll auf dem Boden zappelnder, nervöser Fische. Der ein oder andere Fisch schafft es mit einem sicheren Sprung  nochmal zurück in das rettende Gewässer. Das sind dann am Ende die Glücklicheren, in der Hoffnung, es tut sich ein Schiff auf, das seine Bedürfnisse ernst nimmt und ihn wenigstens ruhig in einem Wassergefäß ans Ufer transportiert. So ein Schiff wären wir, aber das brauche ich, glaube ich, nicht mehr zu erwähnen.

Es grüßt herzlich Tanja

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  • 2 Kommentar(e)
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Bianca
01.07.2011
15:14
und nun?

ganz schön jammerig ihr blogeintrag. wenn sie so schlechte dienstleister bekommen, vielleicht sollten sie vorher besser nachfragen und besser zuhören und noch besser: gut ihre wünsche formulieren. wenn sie mit einem dienstleister nicht zufrieden sind, dann suchen sie sich doch einfach einen neuen, es gibt immer engagierte(re) leute, die sie nicht im regen stehen lassen. da hilft kein jammern über die schlechtigkeit der welt, sondern nur ein professionelles auftreten. und wenn sie mit diesem blogbeitrag für sich werben wollten, dann haben sie das bei mir nicht geschafft, denn wer will schon eine pr-agentur anstellen, die nachher im blog über einen herzieht, wie langweilig man sei. nein danke. mit freundlichen grüßen, bianca broder

Tanja
04.07.2011
10:38
Feedback

Liebe Bianca Broder, vielen Dank für die Reaktion auf meinen Eintrag. Unser Blog dient wie viele andere dazu, Informationen, Hintergründe, Gedanken und Stimmungen mitzuteilen und vor allem auch auszutauschen. Kleine Anekdoten aus unserem Agenturalltag gehören für uns auch dazu und falls sich ein Blogeintrag nicht besonders "passend" oder positiv anhört, tut mir das sehr leid. Doch in unserem Arbeitsleben als PR Agentur erleben wir die unterschiedlichsten Arbeitsweisen und -einstellungen, schließlich haben wir es mit vielen verschiedenen Menschen zu tun. Wir sind überhaupt nicht frustriert - ganz im Gegenteil: wir empfinden es als anregend und inspirierend, selbst zu erleben, wie andere Dienstleister unsere internen Büroaufträge annehmen und durchführen. Das Tolle daran ist, unsere Kunden profitieren davon! Lernen wir durch unglücklichere Zusammenarbeiten uns zu reflektieren und uns selbst zu hinterfragen, wie man es besser und positiver gestalten könnte. Und was noch schöner ist: es gibt natürlich auch unzählige Partner und Kollegen auf die wir uns tausend prozentig verlassen können und von denen wir zudem viele Impulse zu unseren Tätigkeiten erhalten. Es grüßt Sie herzlich Tanja
P. S. Es versteht sich von selbst, dass wir nach einer unzufrieden verlaufenden (Test)phase Abstand von einer erneuten Zusammenarbeit nehmen.

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